GA4 oder Matomo: Webanalyse nach Schweizer DSG
GA4 oder Matomo: Beide sind nach Schweizer DSG nutzbar. GA4 passt, wenn du Google Ads schaltest, Matomo, wenn dir Datenhoheit wichtiger ist.

GA4 oder Matomo: die kurze Antwort
Beide Tools lassen sich in der Schweiz datenschutzkonform betreiben. GA4 (Google Analytics 4) ist kostenlos, stark mit Google Ads und der Search Console verbunden und für die meisten KMU der Standard. Dafür laufen die Daten über Google und damit auch in die USA. Matomo ist die bekannteste Google-Analytics-Alternative: Open Source, auf Wunsch auf einem Server in der Schweiz und ohne Cookies betreibbar. Die Daten bleiben bei dir.
Faustregel: Schaltest du Google Ads und willst Werbung und Anfragen direkt verbinden, nimm GA4 mit Einwilligung. Ist dir Datenhoheit wichtiger als Werbe-Anbindung, oder arbeitest du mit sensiblen Daten wie eine Arztpraxis oder Kanzlei, nimm Matomo.
Was GA4 grundsätzlich ist und wie es sich von Universal Analytics unterscheidet, erklärt das Lexikon unter Google Analytics 4. Hier geht es um die Wahl des Tools und die Einrichtung nach dem Schweizer Datenschutzgesetz (DSG).
Was das Schweizer DSG für Webanalyse verlangt
Das revidierte DSG gilt seit dem 1. September 2023. Für Webanalyse sind vier Punkte wichtig:
- Informieren (Art. 19 DSG): Deine Datenschutzerklärung nennt das Tool, den Zweck, die erfassten Daten und die Empfänger. Bei einer Bekanntgabe ins Ausland auch die Länder.
- Bekanntgabe ins Ausland (Art. 16 DSG): Daten dürfen in Länder mit angemessenem Schutz gehen. Für die USA gilt das seit dem 15. September 2024 bei Firmen, die unter dem Swiss-U.S. Data Privacy Framework zertifiziert sind, darunter Google.
- Cookies (Art. 45c Fernmeldegesetz): Wer Cookies oder ähnliche Techniken einsetzt, muss darüber informieren und die Möglichkeit geben, sie abzulehnen.
- Datensparsamkeit: Nur erheben, was du brauchst. Daten nicht länger aufbewahren als nötig.
Eine ausdrückliche Einwilligung vor dem Setzen von Analyse-Cookies verlangt das Schweizer Recht in der Regel nicht. Hast du aber Besucher aus der EU, gilt für sie die DSGVO mit der ePrivacy-Richtlinie. Dann brauchst du für GA4 eine Einwilligung. Für die meisten KMU in Grenznähe ist ein Cookie-Banner mit echter Wahl deshalb der einfachste Weg. Mehr dazu steht unter Cookie-Consent.
Verstösst du vorsätzlich gegen die Informationspflicht, kann die verantwortliche Person nach Art. 60 DSG mit bis zu 250'000 Franken gebüsst werden. Gebüsst wird die Person, nicht die Firma.
GA4 und Matomo im Vergleich
| GA4 | Matomo On-Premise | Matomo Cloud | |
|---|---|---|---|
| Kosten | kostenlos | Software gratis, eigenes Hosting nötig | Monatsabo nach Seitenaufrufen |
| Datenstandort | Google, auch USA | dein Server, auch in der Schweiz | Rechenzentrum in der EU |
| Betrieb ohne Cookies | eingeschränkt | ja | ja |
| Einwilligung für EU-Besucher | nötig | ohne Cookies meist nicht | ohne Cookies meist nicht |
| Rohdaten gehören dir | nein | ja | ja |
| Aufbewahrung | höchstens 14 Monate (Gratisversion) | so lange du willst | je nach Abo |
| Google Ads und Search Console | direkt verbunden | über Import und Plugins | über Import und Plugins |
| Aufwand für Einrichtung | gering | mittel, Server und Updates | gering |
| Datenlücken durch Ablehnen im Banner | ja | gering ohne Cookies | gering ohne Cookies |
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Mit GA4 und Cookie-Banner fehlen dir die Besucher, die ablehnen. Je nach Banner sind das viele. Matomo ohne Cookies erfasst die meisten Besuche, dafür erkennt es wiederkehrende Besucher weniger zuverlässig.
Wann GA4 die richtige Wahl ist
- Du schaltest Google Ads und willst Kampagnen auf Anfragen optimieren.
- Du willst Daten aus der Google Search Console direkt neben dem Verhalten auf der Website sehen.
- Du hast niemanden, der einen Server betreut. Ein Abo willst du auch nicht.
- Du brauchst Auswertungen wie Trichter, Pfade und Zielgruppen ohne Zusatzkosten.
Wann Matomo die bessere Google-Analytics-Alternative ist
- Du arbeitest mit besonders schützenswerten Daten: Praxis, Therapie, Kanzlei, Treuhand. Schon die Information, wer welche Seite besucht, kann heikel sein.
- Du willst ohne Cookie-Banner oder mit möglichst kurzem Banner auskommen.
- Deine Kunden fragen nach dem Datenstandort, zum Beispiel öffentliche Auftraggeber.
- Du willst die Rohdaten selbst besitzen und länger als 14 Monate vergleichen.
Daneben gibt es schlanke Tools wie Plausible oder Fathom. Sie zählen Besuche, Quellen und Ziele ohne Cookies, bieten aber weniger Auswertungen. Für eine kleine Firmenseite reicht das oft.
GA4 nach DSG einrichten: Schritt für Schritt
1. Datenverarbeitungsbedingungen annehmen
Unter "Verwaltung" > "Kontoeinstellungen" nimmst du die Bedingungen zur Datenverarbeitung an. Damit ist Google dein Auftragsbearbeiter.
2. Aufbewahrung festlegen
Unter "Verwaltung" > "Datenerhebung und -änderung" > "Datenaufbewahrung" stehen zwei Monate als Standard. Zur Wahl stehen zwei oder 14 Monate. 14 Monate erlauben einen Vergleich mit dem Vorjahr. Trag die gewählte Dauer in die Datenschutzerklärung ein.
3. Google Signals ausschalten
Die Funktion verknüpft Besuche mit angemeldeten Google-Konten. Für KMU bringt das selten etwas, erhöht aber die Anforderungen an die Einwilligung. Ausschalten unter "Datenerhebung".
4. Einwilligung einholen und Consent Mode nutzen
Lade das Tracking erst, wenn der Besucher zustimmt. Mit dem Consent Mode von Google weiss Analytics, ob eine Einwilligung vorliegt. Achte darauf, dass "Ablehnen" im Banner genauso einfach ist wie "Akzeptieren".
5. IP-Adressen und Datenfreigabe
Google Analytics 4 speichert keine IP-Adressen, das musst du nicht mehr einstellen. Prüf aber unter "Kontoeinstellungen", welche Datenfreigaben an Google aktiv sind. Schalte ab, was du nicht brauchst.
6. Datenschutzerklärung anpassen
Nenne das Tool, den Anbieter, den Zweck, die erfassten Daten, die Speicherdauer und die Übermittlung in die USA. Was sonst in eine Datenschutzerklärung gehört, steht im Beitrag zu Impressum und Datenschutzerklärung.
Matomo nach DSG einrichten
- Hosting wählen: eigener Server bei einem Schweizer Anbieter oder Matomo Cloud.
- IP-Adressen kürzen: In den Datenschutz-Einstellungen mindestens zwei Bytes anonymisieren.
- Ohne Cookies messen: Das Tool lässt sich so konfigurieren, dass es keine Cookies setzt. Dann ist für Schweizer Besucher keine Einwilligung nötig, die Information in der Datenschutzerklärung schon.
- Alte Daten löschen: Rohdaten nach einer festen Frist automatisch löschen lassen, zum Beispiel nach 13 Monaten. Die Berichte bleiben erhalten.
- Widerspruch ermöglichen: Das mitgelieferte Opt-out-Formular in die Datenschutzerklärung einbauen.
- Updates einplanen: Wer das Tool selbst betreibt, muss Software und Server aktuell halten. Das gehört in die Website-Wartung.
Wie sichtbar ist deine Website?
Du hast gelesen, worauf es ankommt. Sieh in rund 60 Sekunden, wo deine eigene Website heute steht.
Was du messen solltest, egal mit welchem Tool
Ein Analyse-Tool ohne festgelegte Ziele zeigt nur Besucherzahlen. Für ein KMU zählen die Handlungen, die zu Aufträgen führen. Markiere sie als Ziele (in GA4 heissen sie Schlüsselereignisse):
- Formular erfolgreich abgeschickt, gemessen auf der Danke-Seite, nicht beim Klick auf den Button
- Klick auf die Telefonnummer
- Klick auf die E-Mail-Adresse
- Terminbuchung, falls du einen Online-Kalender nutzt
- Download von Preisliste oder Unterlagen
Wie du solche Ziele sauber erfasst, beschreibt der Eintrag zum Conversion-Tracking. Für Kampagnen in Newsletter oder Social Media verwendest du UTM-Parameter, sonst landen diese Besuche unter "Direkt".
Fünf Auswertungen reichen für den Alltag:
| Auswertung | Frage, die sie beantwortet |
|---|---|
| Akquisition | Über welche Kanäle kommen Besucher und Anfragen? |
| Seiten | Welche Seiten werden gelesen, welche führen zur Anfrage? |
| Ziele | Wie viele Anfragen, Anrufe und Buchungen gab es? |
| Trichter | Wo brechen Besucher zwischen Seite und Formular ab? |
| Vorjahresvergleich | Liegt ein Rückgang an der Saison oder an der Website? |
Ein Tipp für den Rhythmus: wöchentlich fünf Minuten für Anfragen und Kanäle, monatlich eine halbe Stunde für Seiten und Trichter. Was du aus den Zahlen ableitest, steht im Beitrag zur Conversion-Optimierung.
Brauchst du den Google Tag Manager?
Der Google Tag Manager ist ein Container, über den du Messcodes einbaust, ohne jedes Mal den Code der Website anzufassen. Er lohnt sich, wenn mehrere Tools im Spiel sind, etwa Analytics, Google Ads und ein Werbe-Pixel, oder wenn du Klicks und Formulare ohne Entwickler erfassen willst.
Für eine kleine Firmenseite mit einem einzigen Analyse-Tool ist er oft unnötig. Jeder zusätzliche Container lädt Skripte und macht die Seite langsamer. Wichtig: Auch der Tag Manager muss das Cookie-Banner respektieren. Tags für Analyse und Werbung dürfen erst nach der Einwilligung feuern.
Matomo hat mit einem eigenen Tag Manager ein Gegenstück, das ebenfalls auf deinem Server laufen kann.
Was Webanalyse dir nicht sagt
Kein Tool zeigt dir, warum jemand nicht anfragt. Es zeigt, wo er abspringt. Den Grund findest du mit einer Heatmap, mit Fragen an echte Kunden oder indem du die Seite mit fremden Augen ansiehst.
Auch die Zahl der Anfragen ist nicht die Zahl der Aufträge. Notiere bei jedem Auftrag, woher die Anfrage kam: Google, Empfehlung, Inserat. Erst diese Liste zeigt, welcher Kanal Umsatz bringt. Analytics liefert dafür die Besucherseite, dein Offertwesen die Auftragsseite.
Häufige Fehler
- Doppelte Einbindung: GA4 direkt im Code und zusätzlich über den Google Tag Manager. Dann zählt jeder Besuch doppelt.
- Eigene Besuche nicht ausgeschlossen: Du und dein Team verzerren die Zahlen. Filtere interne Zugriffe aus.
- Button-Klick statt Absendung gemessen: Ein Klick auf "Senden" ist keine Anfrage, wenn das Formular einen Fehler meldet.
- Tool gewechselt, Datenschutzerklärung nicht: Steht dort noch Universal Analytics, ist die Information falsch.
So machen wir es auf webtree.ch
Wir nutzen GA4 nur mit Einwilligung und mit 14 Monaten Speicherdauer. Daneben zählt ein eigener, cookieloser Zähler auf unserem Server die Seitenaufrufe, damit wir auch Besuche sehen, bei denen das Banner abgelehnt wurde. Beides steht in unserer Datenschutzerklärung. Für Kundenwebsites wählen wir das Tool nach Branche und Werbebedarf: GA4, wenn Google Ads läuft, sonst oft Matomo oder ein schlankes Tool ohne Cookies.
Häufige Fragen zu GA4 und Matomo
Ist Matomo kostenlos?
Die Software für den eigenen Server ist kostenlos. Du bezahlst das Hosting und die Zeit für Updates. Die Cloud-Version von Matomo kostet ein Monatsabo, das sich nach der Zahl der Seitenaufrufe richtet.
Kann ich von GA4 zu Matomo wechseln und die alten Daten mitnehmen?
Teilweise. Matomo bietet ein Import-Plugin für Google-Analytics-Daten. Es übernimmt Berichtsdaten, nicht jede Einzelheit. Viele lassen beide Tools für einige Monate parallel laufen und wechseln dann.
Darf ich GA4 und Matomo gleichzeitig nutzen?
Ja, wenn beide in der Datenschutzerklärung stehen und Google Analytics nur mit Einwilligung lädt. Das lohnt sich vor allem in der Übergangszeit.
Brauche ich für Matomo ohne Cookies ein Cookie-Banner?
Für Schweizer Besucher in der Regel nicht, wenn Matomo keine Cookies setzt, IP-Adressen kürzt und in der Datenschutzerklärung beschrieben ist. Setzt deine Website andere Cookies, etwa von eingebetteten Videos oder Karten, brauchst du das Banner trotzdem.
Fazit
GA4 ist die richtige Wahl, wenn du Google Ads nutzt und eine Einwilligung einholst. Matomo ist die bessere Wahl, wenn Datenhoheit, sensible Daten oder ein Betrieb ohne Cookies zählen. In beiden Fällen gilt: Ziele festlegen, Datenschutzerklärung aktualisieren, Zahlen regelmässig anschauen.
Ob dein Tracking sauber läuft und welche Seiten Anfragen bringen, zeigt dir die kostenlose Analyse. Wenn wir deine Website erstellen, richten wir Messung und Datenschutzerklärung gleich mit ein. Die Auswertung fliesst danach direkt in die SEO-Optimierung.
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